Timi geht essen: im El Corazon (Essen und Trinken, Juni 2010)

Unser letzter Stopp war die Qbar. Wir hatten einen herrlichen Wein. Den Basa. Leicht buttrig, etwas zu fruchtig und eine schöne Blumigkeit. Mit diesem Geschmack im Mund schlendern wir zu ziemlich fortgeschrittener Uhrzeit durch Freisings wunderschöne Innenstadt. Vorbei am Kriegerdenkmal, wo eine kleine Bande älterer Herren mit einer kleinen Bande älterer, gleichgesinnter Damen um die Wette buhlen. Niemand möchte hier wohl heute alleine nach Hause gehen. Die Obere Hauptstraße entlang, Richtung Marienplatz. Oh, beim Brillenmacher gibt`s neue Deko im Schaufenster. Wir lassen den Marienplatz links liegen und werden vor`m Gerlspeck von einer Gruppe junger Herren mit dunklem Oberlippenflaum angehalten. Gefahr! Wir wittern die Spannung in der Luft und schließen heimliche Verteidigungspakts. Gehen breit nebeneinander, um unsere Stärke zu zeigen. Wir treffen uns auf Höhe des alten Kinos. Der Anführer, leicht zu erkennen an der dicksten Jacke und den in die Haare rasierten Mustern, streckt seine Hand mit einer kämpferischen Geste weit ausladend in meine Richtung. Auf seiner Handfläche befindet sich ein 20 Cent Stück. „Verzeihung, haben Sie eine Zigarette für mich, bitte!?“ Die Zeiten werden auch nicht besser.



Wir gehen noch die Untere Hauptstraße entlang, biegen links ab und huschen bei rot über die Isarstraße. Um diese Uhrzeit ist hier eh nix mehr los. Wir sind auch schon am Ziel. Direkt neben dem Bella Billard, wo früher der Günter mit seiner Aktienschänke zur Legende wurde. Ein Bekannter meines Vaters geht hier öfter hin - ins Ekko. Noch nie gehört? Ekko? Über der Tür steht in einladenden Buchstaben El Corazon. Aha, dann wohl doch eher Elco und nicht Ekko. Is ja auch egal, auf jeden Fall mexikanisch.
Es ist ein Donnerstag, recht spät abends. Dennoch sind einige Gäste hier und schlafen nicht schon vor dem Fernseher. Auf RTL läuft vermutlich gerade „Bones, die Knochenjägerin“. Glaub` ich. Die Speisekarte verrät uns auf jeden Fall, dass heute Fajitas-Day ist. Auf Deutsch also Fajitas-Tag. Generell scheint mir die Speisekarte recht originell. Jeden Tag ein anderes Special. Oder auf Deutsch: Spezial. Am Montag gibt`s alle Gerichte mit Pute für 5,90. Also Chicken Day. Sollte das Essen und der Service gut sein, bin ich durchaus gewillt, an einem Mittwoch nochmal zu kommen - da ist nämlich Spareribs Day. Die deutsche Übersetzung spare ich mir an dieser Stelle.
Da heute Fajitas-Day ist, gibt`s bei uns Fajitas. Was bitte? Ein kurzer Blick ins Internet bringt folgende Information: Das Wort ist eine Verniedlichung vom spanischen „faja“ und heißt Gürtel. Also quasi Gürtelchen. Für weitere Recherche bleibt keine Zeit. Der Kellner kommt. Wir fragen, ob es denn noch warme Küche gibt und ob der Koch denn noch da wäre. Antwort: „Klar, Leute! Aber auch wenn der Koch nicht da wär, könnt ich das mindestens genauso gut!“. Oha. Was soll denn das heißen? Ist der Koch so schlecht? Oder kann unser Kellner so gut kochen? Ich bin verwirrt und bestelle eine Flasche Rosé. Und dreimal Fajitas da Casa. Mit Shrimps, Steak und Pute. Da bin ich ja mal gespannt.
Meine beiden Mitstreiter verabschieden sich kurz zum Rauchen. Toll, nun sitz ich alleine mit meiner Flasche Rosé da. Wie sieht das denn bitte aus? Für Ablenkung sorgt ein Hund. Entweder hat ihn ein Gast mitgebracht oder er gehört zum Lokal. Ein weißer Hund. Ziemlich groß. Er schaut von Tisch zu Tisch und begrüßt jeden Gast, der Fleisch auf dem Teller vor sich hat. Ich habe noch nichts zu essen, deshalb ignoriert mich das Tier auch. Feiner Wauwau. Die Einrichtung, an der der Hund gerade herumknabbert, ist nebenbei gesagt wirklich schön. Alles sehr stimmig und warm. Schummrige Beleuchtung erhellt die mit Glasstein in die Wand gesetzten Schriftzüge.
Wo sind denn eigentlich meine beiden Begleitungen geblieben? Ich warte hier seit einer viertel Stunde und der Wein ist schon halb leer. Ich geh` sie mal suchen.
Die beiden haben im Vorraum zu den Toiletten ein Mädel kennengelernt und spielen gemeinsam an einer Nintendo Spielkonsole „Bowling“. Das Mädl spielt schon länger. „Ach Timi, wo bleibst du denn, wir dachten, du kommst gar nicht mehr!“. Na toll, und ich warte drinnen bei dem Hund...
Nach einer Runde kommt unser Essen. Wir erhalten Weizentortillas (feste Pfannkuchen), einen Teller mit Saucen, Salat und Käse sowie eine heiße Eisenpfanne mit Paprika-Zwiebel-Fleisch-Fisch zum Befüllen unserer Tortillas. Mit einem Bärenhunger stopfen wir alles in die kleinen Pfannkuchen und mit ein paar Bissen sind die ersten Fajitas auch schon verputzt. Der Kellner kommt: „Schmeckts eich? Wennz noch Tortillas brauchts, dann sagtz as einfach!“. Ja bitte, wir brauchen noch welche, danke.
Was soll ich sagen, die Fajitas waren hervorragend. Das Gemüse saftig, die Shrimps und die Pute genau richtig gegart. Das Rindfleisch in der Mitte noch leicht rosa, wie es sein soll, aber leider ein bisschen zäh. Aber dafür kann der Koch ja nix - das liegt halt am Fleisch, da muss man halt oft einmal Glück haben.
Jetzt ist es also klar: Ich komme am Mittwoch zum Spareribs Day wieder. Und euch würde ich das auch empfehlen. Von den Gästen an der Bar höre ich, dass auch die Cocktails ganz fantastisch sein sollen... Die werde ich am Mittwoch dann auch mal probieren. Vom Liter Cuba Libre für 11,90 werde ich mich aber trotz des günstigen Preises - aus Selbstschutz - fernhalten...

Bis zum nächsten Fink,
Timi

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