Beck's Woche 63 (Beck's Woche)

Mittwoch statt Montag? Ja, diese Kolumne erscheint mit leichter Verzögerung. Schuld daran ist nicht ein sehr gedrängter Dienstplan des Autors, sondern die Tatsache, dass dieser Text vor Veröffentlichung ab sofort kontrolliert werden muss. Nein, nein, die Macher dieser Website üben keine Zensur aus, aber nach den Ereignissen der vergangenen Woche ist extreme Vorsicht angesagt.

Es passierte an einem unschuldigen Vormittag: Das Telefon eines Freisinger Kulturschaffenden klingelte, in der Leitung eine Person, die laut Überlieferung Folgendes zum Besten gab: „Er soll seine journalistischen Tätigkeiten auf seine Hamburger Fähigkeiten und den Burgerking beschränken und seine Finger aus der Kulturszene lassen, sonst kriegt er ein paar auf sein dreckiges Maul.“ Der Ton wird also schärfer in Freising, und so wird sich künftig vor dem Erscheinen dieser Zeilen eine interkonfessionell besetzte Ethikkommission über die Kolumne hermachen und etwaige Kritik, freie Meinungsäußerung und Sonstiges da rausstreichen. Sorry, aber geht leider nicht anders.



Hihi. Natürlich wird diese Kommission künftig regelmäßig überlistet. Sonst könnte man ja gar nicht mehr über so Themen wir das Nichtrauchervolksbegehren schreiben. Nun hat es Sebastian Frankenberger also doch geschafft. Dieser junge ÖDPler aus Passau, der irgendwie an den frühen Bully Herbig erinnert, ist mit seinem Volksbegehren erfolgreich gewesen. Nächstes Jahr stimmen Bayerns Bürger ab. Schade nur, dass es dabei ja gar nicht um den Schutz von Nichtrauchern geht. Eher darum, Recht zu haben, der Staatsregierung eins auszuwischen und dem Kneipensterben Vorschub zu leisten. Aber bis zur Abstimmung bleibt ja viel Zeit, um vielleicht doch noch in eine sachliche Diskussion zu kommen.

Was passieren kann, wenn man das Volk abstimmen lässt, wurde in der vergangenen Woche auch in der Schweiz sichtbar. Dort stimmten 57,5 Prozent dafür, dass bei den Eidgenossen zu den bestehenden vier Minaretten kein weiteres dazukommen darf. Natürlich ging es dabei nicht unbedingt darum, Bauvorschriften zu erlassen, sondern eine Volksabstimmung gegen den Islam durchzuführen. Sicher: Im Islam gibt es radikale Tendenzen, die mit Demokratie, Gleichberechtigung etc. wenig zu tun haben. Und in der Türkei schaut es in Sachen Menschenrechten nicht optimal aus. Das kann aber kein Argument sein, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Und dass es der rechtskonservativen Volkspartei, die das Begehren angezettelt hat, großartig um Liberalismus und Gleichberechtigung ging, ist eher zweifelhaft. Gerade in einem Land, wo das Frauenstimmrecht erst in den 1970er Jahren eingeführt wurde.

Die Leute können aber auch gemein sein: Barack Obama gab diese Woche seine neue Strategie für Afghanistan bekannt. Und das heißt: 30.000 Soldaten zusätzlich, dafür aber sollen die ersten schon 2011 wieder abgezogen werden. So der derzeitige Stand. Falls da nichts dazwischenkommt. Gemeine Leute also fragen, warum so jemand diese Woche den Friedensnobelpreis kriegen soll. Noch gemeinere sagen: Immerhin hat er keinen neuen Krieg angefangen.

Zum Sport: Australien, Serbien und Ghana heißen also die armen Nationen, die vom Titelanwärter Deutschland im Juni 2010 in der Vorrunde der WM degradiert werden. Könnte natürlich auch ganz anders kommen, wir werden sehen. Pech haben derzeit Münchner Sportjournalisten, da sie ihr van-Gaal-Bashing einstellen müssen nach dem 4:1 in Turin. Schönster Satz zu diesem Spiel stand in der Süddeutschen Zeitung: Bastian Schweinsteiger hat gespielt als stünden demnächst Vertragsverhandlungen an.

Bis nächste Woche!


Votes

Du musst angemeldet sein, um Votes sehen und selbst abgeben zu können. Jetzt registrieren!

Kommentare

Du musst angemeldet sein, um Kommentare lesen zu können. Log dich hier ein!

Optionen

Für mehr Optionen musst du den Rang eines SuperUsers oder höher haben. Jetzt registrieren!

Statistik (all time)

  • 780 Klicks
  • 5 Votes
  • 3 Kommentare

Favourite von

forenbenutzer